Was wäre eine Bundesligasaison ohne die von den Fans so geliebten Derbys? Sie polarisieren über die jeweiligen Fanlager hinaus und sind für die beteiligten Fans fast so viel Wert wie die Meisterschaft. Ein Grund einen genaueren Blick auf die wichtigsten Derbys in der nächsten Bundesligasaison zu werfen.

Das deutsche „Classico“ FC Bayern München gegen Borussia Dortmund

Dieses Derby polarisiert allein schon aufgrund seines Namens viele Fußballfans. Die Rivalität zwischen beiden Mannschaften ist verhältnismäßig jung im Vergleich zu anderen deutschen Fußball Derbys, daher ist dieser Titel nicht bei jedermann beliebt. Schaut man sich aber die letzten 27 Jahre der Bundesliga an, gewannen nur vier andere Mannschaften die Deutsche Meisterschaft (Kaiserslautern, Bremen, Stuttgart und Wolfsburg). Die restlichen 23 Jahre hieß der Meister entweder Dortmund (5x) oder Bayern (18x).

Es scheint also, dass der BVB die einzige Mannschaft ist, die dem großen FC Bayern auf längere Zeit gefährlich werden kann. Genau diese Konstellation veranlasste die Bayern Führung immer mal wieder, ein paar verbale Angriffe zu starten, die nicht lange unbeantwortet blieben. Hinzu kommt die Transferpolitik der Münchner, die öfter auf die Leistungsträger der Borussia abzielte, sobald diese Gefahr liefen den Bayern den Rang abzulaufen.

Insgesamt trafen beide Teams 124 Mal aufeinander.

Dortmund gewann davon 25 Partien und der FC Bayern 48 bei einem Torverhältnis von 152:238 für die Münchner. Der wohl größte Moment in der Geschichte des „Klassikers“ war das Champion League Finale 2013 in Wembley, als beide Teams um den Henkelpott kämpften. Dieses Spiel entschied damals Arjen Robben in der 89.Minute für die Bayern.

Die Spiele werden in München in der Allianz Arena ausgetragen, wo 75.021 Fans Platz finden. Allerdings wird die Stimmung in der Arena gerne mit der eines Opern Publikums verglichen. Ganz im Gegenteil zum Signal Iduna Park in Dortmund, auch noch liebevoll von seinen Fans Westfalenstadion genannt. Dort können 81.365 Fans mit einer fantastischen Atmosphäre helfen, so manches Spiel zu entscheiden. 2009 wurde das Dortmunder Stadion sogar von der englischen Times mit der Begründung: “Gewaltige Ränge, die die Geräusche mit einer ohrenbetäubenden Intensität auf den Rasen zurückwerfen.“ zum Besten Stadion der Welt gekürt.

In der Saison 20/21 finden die Begegnungen am 7. Spieltag in Dortmund und am 24. Spieltag in München statt.

Das Revier-Derby, die Mutter aller Derbys

Der Ruhrpott in Deutschland ist etwas ganz Besonderes, nicht nur aufgrund seiner geschichtlichen Bedeutung. Die Dichte an Profiklubs ist nirgends so hoch wie hier, was zu einer ganzen Fülle von Derbys führt. Das wohl spannendste, weit über die deutschen Grenzen bekannteste Derby, ist das Revier-Derby zwischen Schalke und Borussia Dortmund.

Beide Teams waren Gründungsmitglieder der Bundesliga und aufgrund ihrer geografischen Nähe von nur 30 km trifft man überall in dieser Region auf Anhänger des Kontrahenten. Was vor allem auf Arbeit dafür sorgt, dass sich der Verlierer dieses Derbys Hohn und Spott, bis zum nächsten Aufeinandertreffen, gefallen lassen muss. In der Tabelle klafft zwischen beiden Teams eine große Lücke, da die Schalker es die letzten Jahre nie schafften in Hin- und Rückrunde konstante Leistungen abzurufen. Doch der Abstand in der Tabelle oder die Form spielt keine Rolle, sobald der Ball in den jeweiligen Stadien rollt. Diese Derbys haben oft gezeigt, dass sie immer ihre eigenen Gesetze haben.

Schalke trägt seine Heimspiele in der Veltins Arena in Gelsenkirchen aus, welche 62.271 Zuschauer fasst und aufgrund ihres Turnhallencharakters eine extreme Geräuschkulisse bieten kann.

Das Revier-Derby ist wohl eines der ausgeglichensten Derbys der Welt, beide Mannschaften kommen auf 39 Siege bei 114 Begegnungen. Nur beim Torverhältnis führt der BVB mit 181:167.

In der nächsten Saison treffen beide Teams am 5.Spieltag in Dortmund und am 22.Spieltag in Gelsenkirchen aufeinander.

Das Rheinland Derby Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln

Diese Teams hatten lange Zeit gar nichts miteinander zu tun, da die Kölner erst 48 Jahre nach den Mönchengladbachern gegründet wurden, obwohl Köln als Stadt mehr als fünf Mal so groß ist. Die Brisanz begann als sich beide Teams ab 1965 in der Bundesliga gegenüberstanden. Für das kleine Mönchengladbach war es etwas Besonderes den großen Nachbarn aus Köln zu ärgern.

Das Derby wurde dann aber beim DFB-Pokal Finale 1973 geboren, als die Borussia den FC Köln in der Verlängerung durch ein Tor von Günter Netzer mit 2:1 bezwang. Genauso unvergessen ist das Meisterschaftsfinale 1978, als die Kölner und Gladbacher am letzten Spieltag Punktgleich waren und nur durch das um 10 Tore bessere Torverhältnis der Kölner getrennt waren. Mönchengladbach spielte gegen die Borussia aus Dortmund und gewann tatsächlich mit 12:0! Doch auch der FC Köln machte seine Hausaufgaben und gewann ebenfalls gegen den FC St. Pauli mit 5:0. Damit feierten die Kölner mit nur drei Toren Vorsprung die knappste Meisterschaft der Bundesliga Geschichte.

Von den Insgesamt 107 Partien gewannen die Gladbacher 56 und die Kölner nur 31, bei einem Torverhältnis von 208:151 für die Borussia.

Die Kölner tragen ihre Spiele im Jahr 2004 eröffneten RheinEnergieStadion aus, welches 50.000 Zuschauer fast. Der Borussia-Park, Heimat der Mönchengladbacher, wurde ebenfalls 2004 eröffnet und hat eine Kapazität von 54.022 Zuschauern.

Das Rheinland Derby findet in der Bundesligasaison 20/21 am 3.Spieltag in Köln statt und am 20. Spieltag in Mönchengladbach.

Das Hauptstadt-Derby der alten Dame gegen die Eisernen

Es ist das jüngste Derby von allen und eine Rivalität die ursprünglich aus einer Fan Freundschaft entstand, Hertha BSC Berlin gegen den 1.FC Union Berlin. Dieses Spiel besteht nicht nur aus Fußball, sondern auch aus Geschichte und Politik.

Zum ersten Mal spielten beide Teams erst am 17.09.2010 in einem Pflichtspiel gegeneinander, damals noch in der 2.Liga. Zuvor Unterstützten sich die Fans der Teams gegenseitig und man stand gemeinsam auf einer Tribüne.

Als Berlin noch geteilt war gingen Hertha Anhänger zu den Spielen von Union und Unterstützen somit die Eisernen. Die Unioner hingegen, gingen zu den Europapokalspielen der Hertha im sozialistischen Ausland. Kein Anzeichen von Rivalität, da man damals die Zusammengehörigkeit Berlins nach Außen präsentieren wollte.

Heute sieht man sich als Kontrahenten und als einziger, traditionsreicher Ostklub in der Bundesliga, will man Fußball Deutschland zeigen, dass man sich vor den größeren Westvereinen nicht verstecken muss.

Das Berliner Hauptstadt-Derby ist mit 2 Siegen und 2 Unentschieden auch komplett ausgeglichen. Nur bei dem Torverhältnis führt die Hertha mit 10:7.

Das man dies nicht muss, zeigen die ausverkauften Spiele der Eisernen, die so manchen Favoriten in der letzten Saison zum Straucheln gebracht haben. Das Stadion An der Alten Försterei fasst nur 22.012 Zuschauer aber die Stimmung steht den großen Arenen in nichts nach. Jährlich am 23.Dezember findet an der Alten Försterei das weltweit bekannte Weihnachtssingen statt, welches seitdem immer mehr Nachahmer findet. Die Hertha bestreitet ihre Spiele im Jahr 1936 eröffneten Berliner Olympiastadion vor 74.475 Zuschauern.

Das Hauptstadt Derby findet in dieser Saison am 10.Spieltag im Olympiastadion und am 27.Spieltag an der Alten Försterei statt.